Die meisten Ratgeber für Kampfsport sind für Männer geschrieben und werden dann um einen Absatz ergänzt. Dabei unterscheiden die Reglemente an mehreren Stellen ausdrücklich – und ausgerechnet an den Stellen, an denen viele das Gegenteil vermuten.
Kopfschutz: umgekehrt zu dem, was man denkt
Im olympischen Boxen wurde der Kopfschutz bei Männern der Elite abgeschafft. Bei Frauen der Elite ist er weiterhin Pflicht, ebenso in allen Jugendkategorien. Wer also als Frau auf einen Wettkampf zugeht, braucht einen zugelassenen Kopfschutz – höchstens 450 Gramm, Klettverschluss, rot oder blau je nach Ecke. Was er belegbar bringt und was nicht, steht hier.
Handschuhe: 10 oz in allen Gewichtsklassen
Bei den Männern hängt das Handschuhgewicht von der Kategorie ab, 10 oder 12 Unzen. In allen Frauenkategorien sind es einheitlich rund 284 Gramm, also 10 oz. Das ist im Laden leicht zu übersehen, weil dort oft nur nach Körpergewicht beraten wird.
Fürs Training gilt das nicht – da entscheiden Einsatzzweck und Hausregel, und im Sparring sind vielerorts 14 oder 16 oz vorgeschrieben, unabhängig vom Geschlecht. Die ganze Grössenfrage haben wir hier aufgedröselt.
Tiefschutz: freiwillig, nicht verboten
Im Amateur-MMA nach IMMAF-Reglement ist die Regel klar formuliert: Männliche Athleten müssen einen eigenen Tiefschutz tragen, weibliche Athletinnen dürfen einen tragen. Kein Zwang, aber ausdrücklich erlaubt – und in der Praxis eine Frage der persönlichen Vorliebe und der Bauform. Ein Brustschutz ist im IMMAF-Amateurreglement nicht vorgeschrieben; andere Verbände und der Profibereich regeln das teils abweichend, deshalb gilt hier wie überall: die Ausschreibung deiner Veranstaltung schlägt jeden Ratgeber.
Rashguard: kurzärmlig, mit einer Ausnahme
Im Amateur-MMA ist der Rashguard Pflicht, eng anliegend, rot oder blau, und ausdrücklich kurzärmlig – lange Ärmel sind nicht zulässig. Die einzige im Reglement genannte Ausnahme betrifft Athletinnen, die aus kulturellen oder religiösen Gründen mehr Bedeckung brauchen: Das muss vorher schriftlich beim Veranstalter beantragt werden. Wer das erst am Wiegetag anspricht, hat ein Problem, das keines hätte sein müssen.
Was das Reglement nicht regelt, du aber merkst
Passform. Handschuhe und Schoner werden überwiegend auf männliche Durchschnittsmasse hin gebaut, und das fällt vor allem am Handgelenk und an der Wade auf. Zwei Punkte aus der Praxis:
- Bei Handschuhen zieht der Klettbereich bei schmaleren Handgelenken oft nicht weit genug zu. Probier mit Bandagen an – sie füllen den Handschuh und stabilisieren genau dort.
- Schienbeinschoner rutschen, wenn der Wadenumfang kleiner ist als vorgesehen. Lieber eine Grösse kleiner mit gutem Sitz als eine passende Länge, die wandert. Worauf du beim Kauf achtest.
Und noch etwas, das mit Ausrüstung nichts zu tun hat: In einer Befragung kanadischer Boxsportler sprachen sich 71,5 Prozent für eine Kopfschutzpflicht auf allen Ebenen aus; bei den Frauen lag der Anteil, der ein Verbot befürwortete, bei 1,7 Prozent.
Regelangaben: World Boxing Competition Rules, in Kraft seit November 2024, Regeln 13.1 und 13.3 (worldboxing.org); IMMAF, Mixed Martial Arts Unified Rules for Amateur Competition, Stand März 2017, Abschnitt Equipment (immaf.org). Umfragewerte aus Dickinson P., Rempel P., Sports Medicine - Open 2016;2:19, DOI 10.1186/s40798-016-0043-2. Die Passform-Hinweise stammen aus der Trainingspraxis. Reglemente unterscheiden sich je nach Verband – was deine Veranstaltung vorschreibt, geht diesem Text vor. Stand: 08.2026.



