Der Zahnschutz ist das billigste Stück in der Tasche und das einzige, das einen Schaden verhindert, der nie wieder von allein verschwindet. Ein verlorener Schneidezahn wird ein Leben lang behandelt. Trotzdem wird an dieser Stelle am liebsten gespart.
Wie häufig es passiert
Verletzungen im Mund-, Zahn- und Gesichtsbereich betreffen nach der zusammengefassten Datenlage rund 30 bis 40 Prozent der Sporttreibenden. Zahnverletzungen sind dabei die häufigste Einzelkategorie und treffen etwa 20 bis 30 Prozent der Athleten. Betroffen sind fast immer dieselben Zähne: die oberen mittleren Schneidezähne machen 60 bis 80 Prozent der Fälle aus.
Eine Zahl aus einer Schweizer Untersuchung an Profisportlern zeigt, wie stark die Sportart entscheidet: Bei ungeschützten Eishockeyspielern lag der Anteil mit Zahnverletzungen bei 59 Prozent, bei Fussballern bei 24 Prozent.
Und die Sache mit dem Tragen: In einer älteren Untersuchung an jugendlichen Athleten passierten 75 Prozent aller registrierten Mundverletzungen, während gerade kein Zahnschutz getragen wurde.
Was der Zahnschutz nachweislich kann
- Zähne. Brüche und Lockerungen gehen mit Zahnschutz nachweislich zurück – das ist der am besten belegte Effekt.
- Weichteile im Mund. Deutlich weniger Risse an Lippe und Wange.
- Kiefergelenk. Zwei neuere Arbeiten fanden einen statistisch stark abgesicherten Schutzeffekt.
- Knochen. Mehrere Untersuchungen berichten weniger Verletzungen im Gesichtsskelett.
Insgesamt liegt das Verletzungsrisiko ohne Zahnschutz nach der zitierten Literatur beim 1,6- bis 1,9-Fachen.
Und was er nicht sicher kann
Gehirnerschütterungen verhindern. Die Autoren formulieren das vorsichtig: Der Schutz vor Erschütterungen ist deutlich weniger gesichert als der Schutz von Zähnen und Weichteilen. Wer dir einen Zahnschutz mit dem Argument verkauft, er schütze dein Gehirn, geht über die Datenlage hinaus.
Angepasst oder aus dem Regal
Hier ist die Übersichtsarbeit ehrlicher als die meisten Werbetexte. Zahnschutz wird in drei Klassen eingeteilt: Fertigmodelle aus dem Regal, thermoplastische Modelle zum Selbstanpassen und beim Zahnarzt gefertigte Schienen.
Von 820 gefundenen Arbeiten blieben am Ende nur acht übrig, die überhaupt zwischen den Typen unterscheiden. Das Ergebnis: Individuell gefertigte Schienen schneiden durchgehend günstig ab – aber direkte Vergleiche sind so selten und so unterschiedlich aufgebaut, dass die Autoren ausdrücklich keine endgültige Aussage über die Überlegenheit treffen. Mehrere der Studien verglichen gar nicht Typ gegen Typ, sondern nur Träger gegen Nichtträger.
Was sich dagegen begründen lässt: Der Vorteil der angepassten Schiene liegt in der gleichmässigen Materialstärke und im festen Sitz. Selbstangepasste Modelle werden beim Formen im Mund ungleichmässig dünn – genau dort, wo die Kraft verteilt werden müsste. Als Richtwert nennen internationale Empfehlungen mindestens 3 Millimeter auf der Aussen- und Kaufläche und 2 Millimeter innen.
Der Punkt, an dem es kippt: Tragen
Der beste Zahnschutz ist der, der im Mund bleibt. Als Gründe fürs Weglassen werden in der Literatur immer dieselben genannt: Druckstellen, Atemnot, Probleme beim Sprechen. Und ein Zielkonflikt, den man kennen sollte – mehr Material heisst besserer Halt, aber auch weniger Komfort; dünnere Modelle sind bequemer, sitzen aber schlechter.
Praktisch heisst das: Ein perfekt angepasster Zahnschutz, der zu Hause liegt, schützt nichts. Ein solide angepasstes Modell, das du jedes Training trägst, schützt viel. Wie du ein thermoplastisches Modell richtig anpasst.
Für den Wettkampf
Im Amateur-MMA wird der Zahnschutz von der Kommission kontrolliert, und die Runde startet nicht ohne ihn. Fällt er wiederholt heraus, ist das ein Foul – ein weiterer Grund, warum Passform kein Komfortthema ist.
Quelle: Perrotta G., Verdecchia A., Basha R. et al., Custom-Made Versus Non-Custom Mouthguards in the Prevention of Sports-Related Oro-Dento-Facial Trauma: A Scoping Review of the Clinical Evidence, Bioengineering 2026;13(8):916, DOI 10.3390/bioengineering13080916, CC BY. Die dort zusammengefassten Einzelbefunde stammen aus acht Studien von 1989 bis 2025; die Autoren weisen auf die begrenzte Vergleichbarkeit hin. Regelangabe: IMMAF Unified Rules for Amateur Competition, März 2017 (immaf.org). Stand: 08.2026. Dieser Text ersetzt keine zahnärztliche Beratung.



